Zwei Menschen stehen sich gegenüber. Für beide liegt „nach vorn“ in Richtung des Gegenübers, also jeweils in der entgegengesetzten Raumrichtung. Bewegen sich beide nun in Blickrichtung der einen Person durch den Raum, geht eine vorwärts und die andere rückwärts. Diese einfache räumliche Beziehung gehört mitten ins Thema Haltung: Eine Ausrichtung lässt sich zum Raum, zum Gegenüber oder zu einem anderen Körperabschnitt beschreiben. Schon die Wahl dieses Bezugs verändert, was eine Aussage bedeutet.
Richtungen brauchen einen Bezug
Anatomische Richtungen beziehen sich auf eine vereinbarte Ausgangsposition: aufrecht stehend, Blick und Handflächen nach vorn. Vorn und hinten bleiben körperbezogen, wenn jemand seine Lage verändert.
Im Tanz hilft zusätzlich die Unterscheidung zwischen der Ausrichtung eines Abschnitts im Raum und seiner Ausrichtung zu einem anderen Abschnitt. Denk an eine Draufsicht auf zwei Richtungspfeile, einen für das Becken und einen für den Brustkorb. Zeigen beide zur gleichen Wand, stimmen diese beiden Richtungen überein. Drehen sich beide Pfeile um denselben Winkel in dieselbe Richtung, bleibt ihre Beziehung erhalten, obwohl sie nun anders im Raum stehen. Ändert dagegen nur einer seine Richtung, verändert sich auch der Winkel zwischen ihnen. Das ist eine geometrische Beschreibung, keine Aufforderung, den eigenen Körper wie ein starres Modell zu drehen.
Anatomische Ebenen sind gedachte Flächen: Die Sagittalebene trennt rechts und links, die Frontalebene vorn und hinten, die Transversalebene oben und unten.
Gedachte Linien und bewegliche Strukturen
Eine Drehachse ist eine gedachte Linie. Bei einer Drehung um eine feste Achse verläuft die Kreisbahn eines Punktes abseits der Achse in einer Ebene senkrecht zu dieser Linie. Eine waagerechte Kreisbahn gehört somit zu einer senkrechten Drehachse. Im Körpermodell lassen sich entsprechend eine Längsrichtung, eine Querrichtung und eine Richtung von vorn nach hinten kennzeichnen.
Entscheidend bleibt, woran eine solche Linie gebunden ist. Wird das Modell geneigt, neigt sich seine eingezeichnete Längsachse mit. Die senkrechte Raumrichtung bleibt unverändert. Körperbezogene Achse und Raumvertikale bezeichnen dann verschiedene Linien.
Die Wirbelsäule selbst besteht aus vielen Wirbeln und weist regionale Krümmungen auf. Zwischen benachbarten beweglichen Wirbeln sind kleine Bewegungen möglich, die sich über mehrere Abschnitte verbinden. Eine gedachte gerade Körperachse bildet deshalb den tatsächlichen Verlauf der Wirbelsäule nicht ab.
Auch Beckenstellung und muskuläre Unterstützung sind verschiedene Begriffe. Donna Krasnow und Virginia Wilmerding unterscheiden in einem Lehrpapier neutrale Beckenstellung, Core Support und Rumpfstabilisierung. Sie betonen ausdrücklich, dass die Aktivierung der als Core bezeichneten Muskulatur das Becken nicht automatisch neutral ausrichtet. Unterstützung könne ihrer Darstellung nach auch bei veränderter Beckenstellung bestehen. Dieser begriffliche Unterschied ist hilfreich: Eine Aussage darüber, wo das Becken steht, beantwortet eine andere Frage als eine Aussage über muskuläre Beteiligung. Das Papier bietet eine Lehrperspektive, keinen experimentellen Nachweis einer universellen Tanztechnik.
Haltung verändert sich mit der Aufgabe
Eine Untersuchung mit 49 aktiven lateinamerikanischen Turniertanzenden verglich fünf statische Haltungen, darunter den gewohnten Stand und eine standardisierte, an Rumba orientierte Position. Rückenoberflächenscans zeigten bei verschiedenen Messgrößen Unterschiede zwischen den Haltungen. Die Personen standen ohne Partner; eine fortlaufende Tanzbewegung wurde nicht untersucht. Zudem waren bestimmte Schulterwinkel wegen der Verschiebung von Hautmarkern problematisch. Die Arbeit macht sichtbar, dass ein Haltungswert zu einer bestimmten Aufgabe gehört. Sie zeigt keine langfristige Verbesserung oder Verschlechterung der Haltung durch Tanzen und erklärt die gemessenen Unterschiede nicht durch nachgewiesene Muskelursachen.
Für bewegte Aufgaben berichtet eine ältere biomechanische Tanzübersicht einen aufschlussreichen kleinen Vergleich. Bei einem Vorwärtsschritt hatten drei erfahrene und drei beginnende Tanzende insgesamt ein ähnliches Ausmaß an Vor- und Rückbewegung des Rumpfs. Wie sich diese Bewegung auf die Phasen des Schritts verteilte, unterschied sich jedoch. Die erfahrene Gruppe bewegte den Rumpf also nicht einfach insgesamt weniger. Das Ergebnis ist hier ein Befund aus dem Review; die zugrunde liegenden Veröffentlichungen betreffen dieselben sechs Personen. Daraus lässt sich weder eine ideale Rumpfbahn für alle noch die Wirksamkeit einer bestimmten Lehranweisung ableiten.
Körperachsen im gemeinsamen Tanz
Dieser Blick auf mehrere zusammenwirkende Elemente ist auch im tatsächlichen Zouk-Vokabular zu finden. Alisson und Vanessa führen bei District Zouk Axis neben Gewichtswechseln, Torsion und Körperbewegungen als Lehrthema auf. Die Achse ist dort ein Bestandteil einer größeren technischen Auseinandersetzung. Aus der öffentlichen Beschreibung allein ergibt sich keine genaue Ausführung der einzelnen Bewegungen. Sie belegt zunächst, dass Achsenarbeit im Brazilian Zouk gemeinsam mit anderen Bewegungsgrundlagen behandelt wird.
Fernando nennt in seiner eigenen Darstellung zum Close Embrace Körperausrichtung, Tonus und eine gemeinsame Achse. Mit dem Kontakt zwischen zwei Menschen kommt damit ein weiterer Bezug hinzu. „Gemeinsame Achse“ gehört hier zu einer konkreten Lehrbeschreibung. Ob damit eine Raumlinie, eine Ausrichtung oder eine Beziehung innerhalb des Paares gemeint ist, muss aus der jeweiligen Erklärung hervorgehen. Der Ausdruck allein beschreibt noch nicht, welche Körperabschnitte sich in einer Figur gemeinsam drehen und welche ihre Orientierung zueinander verändern.
