Brazilian Zouk zu R&B, elektronischer Musik oder Folk: Solche Verbindungen entstehen, weil Menschen diese Musik für den Tanz auswählen. Die Stücke gehören deshalb nicht plötzlich zu einem einzigen Musikgenre. Und wenn der Tanz zu einem anderen Song anders aussieht, braucht auch das nicht automatisch einen neuen Stilnamen.

DJ Sprenk etwa gliedert sein Zouk-Set „Love Again“ laut eigener Beschreibung in R&B, Kizomba, elektronische Tanzmusik und Folk. Zusammenhalten soll die Auswahl ein Thema: positive Liebeslieder. Musikalischer Zusammenhang kann demnach auch über Texte und Motive entstehen. Die Zugehörigkeit zu einem Genre ist nur eines von mehreren Auswahlkriterien. Was ein Paar damit anfangen kann, erschließt sich durch genaueres Hinhören.

Welche Orientierung ein Song bietet

Für das Tanzen zählt, welche Anhaltspunkte der einzelne Titel bietet. DJ Dravid Shiv hebt bei „Remember“ von TroyBoi etwa Trap-Beats, Bass und Synthesizer hervor. Welche Antworten ein Tanz dafür kennt, ist eine weitere Frage: Eine Analyse von Navarro, Buarque und Menegaldo beschreibt Urban Zouk mit Hip-Hop-Einflüssen, Akzenten und stärker gegliederten Bewegungen. Das sind tänzerische Möglichkeiten, keine Zuordnung eines bestimmten Songs zu diesem Ansatz.

Bei „Line It Up“ von Stephen, das Dravid dem Alternative-/Indie-Bereich zuordnet, fehlt ihm dagegen ein durchgehender perkussiver Rhythmus, an dem er Zouk ausrichten könnte. Gerade die wechselnde Energie reizt ihn. Seine Beschreibung lenkt den Blick auf eine andere Aufgabe: musikalischen Zusammenhang auch dann finden, wenn kein vertrauter Beat durchgehend mitläuft. Auch traditionelle Zouk-Technik bietet Platz, eine Melodie in Bewegung aufzugreifen. Die Analyse beschreibt dort Orientierung an Rhythmus und Melodie. Beim Neozouk tritt die rhythmische Markierung durch die Füße weniger in den Vordergrund. Entscheidend ist, welche musikalische Ebene in der Bewegung sichtbar wird.

Musik trifft auf gemeinsames Können

Ein Song allein entscheidet deshalb noch nicht, wie ein Paar tanzt. Rodrigo Delano beschreibt seine Auswahl als Zusammenspiel von Musik und Partnerwissen. Mit jemandem, der Modern Dance kennt, nutzt er entsprechende Einflüsse, sofern sie zur Musik passen. Für Lambazouk nennt er ebenfalls beide Voraussetzungen: passende Musik und eine Person, die diesen Ansatz kennt. Auch Xandy Liberato und Evelyn Magyari beschrieben ihre Arbeit über erlernte Techniken: traditionellen Zouk mit Einflüssen unter anderem aus Contemporary, West Coast Swing und Samba Rock.

Evelyn verband ihre Begeisterung ausdrücklich mit der Vielfalt von Musik und Bewegung. Ein musikalischer Einfluss und eine tänzerische Technik bleiben dabei verschiedene Dinge: Wer eine Musikrichtung mag, verfügt dadurch noch nicht über das Bewegungsvokabular eines anderen Tanzes. Entscheidend für ihre beschriebene Arbeit waren Erfahrungen, die sie sich tänzerisch angeeignet hatten; eine Genrebezeichnung kann diese nicht ersetzen. Die gemeinsame Tanzpraxis setzt der Umsetzung allerdings eine Grenze: Eine Idee kann zum Lied passen und trotzdem außerhalb dessen liegen, was die beiden gerade gemeinsam tanzen können. Das gemeinsame Repertoire zählt mit.

Was musikalische Namen erklären

Auch musikalische Bezeichnungen aus der Szene verdienen einen genaueren Blick. „Lyrical Zouk“ klingt zunächst wie eine eindeutige Kategorie. In Charlotte Mathiessens niederländischer Befragung von 2014 bekam diese Bezeichnung hohe Bewertungen. Im Schluss ihrer Arbeit räumt sie jedoch ein, dass der Begriff schwer zu bestimmen ist. Damit bleibt unklar, was die 47 Teilnehmenden der ausführlichen Befragung jeweils darunter verstanden. Ihre freiwillige Befragung liefert keinen allgemeinen Geschmacksmaßstab. Für die Verständigung über Musik bleibt deshalb die Nachfrage hilfreich: Ist der Gesang gemeint, eine bestimmte Stimmung oder eine Art, dazu zu tanzen?

Bei der Beschreibung des Tanzes lohnt dieselbe Genauigkeit. Leo und Becky betonten in ihrem Interview, dass unterschiedliche Songvorlieben für sie verschieden aussehenden Zouk erklären können. Sie nutzen die rhythmischen Möglichkeiten der Musik, ohne ihren Tanz einem einzelnen zusätzlichen Einfluss zuzuordnen. Bevor du eine Bewegung als fremden Stil einordnest, kannst du daher untersuchen, worauf sie im Song antwortet. Ein anderer Klang kann eine vertraute Bewegungsmöglichkeit anders hervortreten lassen.

Vertraute Basics in anderer Musik

Um Musikvielfalt tänzerisch kennenzulernen, muss nicht für jeden Song eine neue Kombination hinzukommen. Gui Pradas Kurskonzept „Learning Through Repetition“ setzt auf wiederkehrende Grundlagen bei unterschiedlichen Musikstilen, Geschwindigkeiten, Bewegungsgrößen und Dynamiken. Zum veröffentlichten Solo-Curriculum gehören etwa Basic, Lateral und Viradinha. Das Prinzip dahinter lässt sich gut nachvollziehen: Bleibt eine vertraute Basisvariation erhalten, wird deren veränderte Ausführung zum eigentlichen Gegenstand. Musikvielfalt bedeutet dann auch, innerhalb bekannter Bewegungen Unterschiede zu erkunden. Das beschreibt einen Unterrichtsansatz; wie weit sich dessen Möglichkeiten gemeinsam nutzen lassen, bleibt eine zusätzliche Aufgabe im Paartanz.