Eine Tanzlehrkraft arbeitet mit Menschen, die sehr unterschiedliche Vorkenntnisse mitbringen. Entsprechend breit beschreibt der Allgemeine Deutsche Tanzlehrerverband seine Ausbildung: Zur eigenen tänzerischen Entwicklung kommen praktische, fachlich-theoretische und überfachliche Inhalte. Im Gesellschaftstanz gehören außerdem wählbare Fachausbildungen dazu. Schon daran lässt sich ablesen, warum der Name eines Abschlusses allein wenig erklärt. Er kann mehrere berufliche Aufgaben abdecken. Welche Tänze und Schwerpunkte darin enthalten sind, gehört zu seiner Aussage ebenso wie die Tatsache, dass jemand eine Ausbildung abgeschlossen hat. Bei wählbaren Fächern kann man nicht für alle Absolventinnen und Absolventen dieselben Spezialisierungen voraussetzen.

Teilnahme und geprüfte Leistung

Ein Teilnahmebeleg hat eine andere Aufgabe: Im Fortbildungs-Audit der Royal Academy of Dance muss er die Teilnahme an der angegebenen Aktivität bestätigen. Diese Aussage sollte man nicht mit einer beobachteten Unterrichtsprüfung verwechseln. Wie deutlich Teilnahme und Prüfung getrennt sein können, zeigt das Brazilian-Zouk-Programm MAC von Alex de Carvalho: Die Prüfung ist freiwillig. Teilgenommen zu haben und die Prüfung bestanden zu haben bezeichnen deshalb unterschiedliche Leistungen. Für den Abschluss müssen Theorie und Praxis jeweils bestanden werden; in der praktischen Prüfung werden Kenntnisse beider Tanzrollen verlangt. Der Nachweis bezieht sich ausdrücklich auf die MAC-Pädagogik. Er lässt also genauer erkennen, mit welchem Ansatz sich jemand auseinandergesetzt und welche Prüfung die Person bestanden hat.

Was dabei sichtbar wird, hängt von den Prüfungsaufgaben ab. Das Diploma in Dance Education der Imperial Society of Teachers of Dancing trennt eigene Tanzleistung von Unterrichtspraxis. Zum unterrichtlichen Nachweis gehören Beobachten, Assistieren, selbst unterrichten und die Auswertung der eigenen Arbeit. Bewertet wird beispielsweise, ob jemand konstruktives Feedback gibt und die Reaktion der Lernenden beurteilt. Für den Unterricht macht das einen konkreten Unterschied: Eine Bewegung vorführen zu können beantwortet noch nicht, ob die Erklärung bei der Gruppe ankommt. Das Diplom verbindet deshalb tänzerische Prüfungen mit Nachweisen des Unterrichtens. Es betrifft bestimmte Tanzsparten, darunter Ballett und Steptanz.

Wissen für die konkrete Gruppe

Unterrichtliches Wissen braucht einen Bezug zu den Menschen, mit denen gearbeitet wird. Beim Healthy Dance Practice Certificate von Safe in Dance International müssen Kandidatinnen und Kandidaten zeigen, wie sie die Fachinhalte in ihrem eigenen Tanzkontext anwenden. Dazu gehören eine gefilmte Einheit und deren kritische Auswertung. Die Bewertung berücksichtigt Merkmale der Gruppe und verlangt, gelungene Entscheidungen wie Verbesserungsmöglichkeiten zu benennen. Der Blick richtet sich damit auf begründetes Handeln in einer bestimmten Situation. Das ist der Anspruch dieser Prüfung; eine Garantie für verletzungsfreien Unterricht ergibt sich daraus nicht.

Auch das Eingrenzen einer Aufgabe gehört zur fachlichen Verantwortung. Der Verhaltenskodex von People Dancing verlangt für die dort beschriebene Community-Dance-Arbeit, innerhalb der eigenen Kompetenz zu bleiben und Qualifikationen ehrlich anzugeben. Vor Beginn sollen Kontext, Ziele und nötige Unterstützung geklärt werden. Für eine Lehrkraft kann das bedeuten, eine Aufgabe gemeinsam mit entsprechend erfahrenen Fachleuten zu übernehmen oder sie nicht anzunehmen, wenn sie nicht sicher geleistet werden kann. Der Kodex formuliert einen beruflichen Anspruch. Ob eine Person ihm folgt, zeigt sich in ihrem Umgang mit solchen Entscheidungen. Erfahrung zählt dabei mit; die Eignung bleibt auf die konkrete Aufgabe bezogen.

Nach dem Abschluss weiterlernen

Die Royal Academy of Dance verbindet ihren Status für registrierte Lehrkräfte mit fortlaufender Weiterbildung. Neben organisierten Veranstaltungen berücksichtigt ihr System auch selbstständiges Lernen, etwa Fachlektüre und Unterrichtsplanung. Ein Abschluss beschreibt einen erreichten Stand. Die fachliche Arbeit danach bleibt eine eigene Aufgabe. Fortbildung kann einen konkreten Bedarf aufgreifen, beispielsweise eine bislang wenig vertraute Unterrichtsaufgabe.