Eine Kombination nachtanzen und eigene Bewegungen entwickeln sind unterschiedliche Aufgaben. Entsprechend braucht der Unterricht andere Anhaltspunkte dafür, was gelungen ist. Bei der Planung gehören Lernziel, Vermittlung und Beurteilung deshalb zusammen. Soll eine bestimmte Folge erkennbar bleiben, muss der Unterricht ihre Merkmale zugänglich machen. Geht es um eigene Gestaltung, brauchen Lernende Möglichkeiten, Entscheidungen auszuprobieren und deren Wirkung zu betrachten.
Eine Bewegung zeigen und verständlich machen
Eine Demonstration zeigt eine Folge im Zusammenhang. Was das für die Wiedergabe bedeutet, untersuchte Bettina Bläsing mit ihrem Team: 18 Tanzstudierende lernten je eine Bewegungsphrase zunächst aus einem Video und eine andere aus einer gesprochenen Beschreibung. Der visuelle Einstieg führte zu vollständigeren Wiedergaben und größerer Ähnlichkeit mit der Vorlage.
Die eigene Interpretation wurde gesondert beurteilt. Hier bestätigte sich die erwartete Überlegenheit des sprachlichen Einstiegs nicht. Anschließend kam für jede Phrase die jeweils andere Informationsform hinzu. Für die Beurteilung bleiben Wiedergabe und individuelle Interpretation damit zwei unterschiedliche Maßstäbe.
Beim Entwickeln eigener Bewegungsideen bekommt die Anleitung eine andere Aufgabe. Das Hongkonger Education Bureau beschreibt im Lehrmaterial für Creative Dance sowohl direkte Vorgaben als auch entdeckendes Lernen. Ein Beispiel erweitert das Nachahmen flatternder Flügel: Die Kinder beschäftigen sich mit Flugbahnen und Veränderungen von Formen.
Die Lehrperson legt damit ein Thema fest, innerhalb dessen unterschiedliche Antworten möglich sind. Ihr Beitrag liegt auch im Entwerfen dieser Aufgabe und im Aufgreifen der Ideen. Die Lernenden entscheiden über ihre Bewegung. Das Beispiel gehört zur schulischen Creative-Dance-Pädagogik; stilspezifische Formen haben wiederum ihre eigenen Vorgaben.
Rückmeldung braucht einen erkennbaren Bezug
Eine Korrektur benennt etwas, das beim nächsten Versuch verändert werden kann. Eine offene Frage lädt dazu ein, die eigene Ausführung zu untersuchen. Beide erfüllen unterschiedliche Funktionen. Benjamin Soerel und sein Team fanden an der Hochschule Codarts große Unterschiede zwischen den beobachteten Stunden und Proben. Die untersuchte Improvisationsstunde enthielt deutlich mehr offene Fragen als die anderen Stunden. Diese Beobachtung erklärt noch keine Lernwirkung. Sie macht aber sichtbar, dass Unterricht aus verschiedenen Gesprächsformen besteht und dass die jeweilige Aufgabe mitbestimmt, welche davon eingesetzt wird.
Auch die Formulierung eines Hinweises zählt. In einem Experiment von Gabriele Wulf und ihrem Team übten 48 Kinder Fußball-Einwürfe. Wirkungsbezogene Hinweise nach jedem Versuch führten bei veränderter Zielentfernung zu besser bewerteter Bewegungsform als die anderen untersuchten Bedingungen. Bei Treffergenauigkeit und Tests mit unveränderter Entfernung gab es keine signifikanten Gruppenunterschiede. Für Tanzunterricht ist daran die begrenzte Folgerung brauchbar: Die Menge der Rückmeldungen allein beschreibt ihre Qualität unzureichend. Zu betrachten ist auch, worauf die Worte die Aufmerksamkeit lenken. Eine feste Korrekturquote für Tanz lässt sich aus diesem Versuch nicht ableiten.
Üben und das Gelernte wieder aufgreifen
Zur Vermittlung gehört außerdem, wie Übungsgelegenheiten angeordnet werden. In einer Untersuchung von Maurizio Bertollo und seinem Team übten 40 Schülerinnen rhythmische Fußfolgen auf einer Tanzspielmatte. Eine Gruppe wiederholte zunächst dieselbe Folge, die andere wechselte zwischen drei Folgen. Unmittelbar nach der Übungsphase schnitt die erste Gruppe besser ab; drei Wochen später bestand kein signifikanter Gruppenunterschied. Die Aufgabe umfasste Bildschirmhinweise und rhythmisches Treffen von Feldern. Für die Unterrichtsplanung verdeutlicht sie eine Unterscheidung: Gelingen direkt nach dem Üben und Können nach einer Unterbrechung sind getrennt zu beurteilen.
Wie Lernende das Material selbst bearbeiten, lässt sich auch im Gespräch erfahren. Die Tanzpädagogin Victoria Dobson beschreibt für ihre Grundschularbeit, dass sie eigene Bewegungsideen und Gespräche über ein Thema in den Unterricht einbezieht. Dabei möchte sie den unterschiedlichen Möglichkeiten der Kinder Raum geben und sie zugleich zum Nachdenken anregen. Wer eine Idee erklärt, trägt etwas zum gemeinsamen Unterricht bei, das sich aus dem bloßen Wiederholen einer Vorgabe kaum erfahren lässt. Die Lehrperson kann diese Überlegungen aufgreifen; die Lernenden bekommen Gelegenheit, ihre gestalterischen Entscheidungen genauer zu formulieren.
