Beim gemeinsamen Üben kannst du etwas beitragen, das dein Gegenüber alleine nicht erfahren kann: wie sich eine Bewegung für dich im Kontakt angefühlt hat. Dafür musst du nicht sofort die technische Erklärung kennen. Schon der genaue Moment, an dem etwas verständlicher oder unklar wurde, gibt euch einen Gegenstand für den nächsten Versuch.

Voraussetzung ist die gemeinsame Verabredung. Klärt, woran ihr arbeiten möchtet und welche Rückmeldung gerade gewünscht ist. Das kann eine eigene Wahrnehmung sein, ein Blick von außen oder eine fachliche Erklärung. Letztere braucht entsprechendes Wissen; Übepartnerschaft allein macht niemanden zur Lehrperson.

Einen gemeinsamen Bezugspunkt finden

„Sag mir, wie ich tanze“ lässt fast alles offen. Eine überschaubare Aufgabe gibt der Rückmeldung einen Bezug: etwa der Übergang zwischen zwei bekannten Basisvariationen. Vereinbart auch, woran ihr arbeiten wollt. Geht es um einen erkennbaren Richtungswechsel, den Zeitpunkt einer Bewegung oder eine bestimmte Wirkung nach außen?

Eine Rückmeldung braucht eine Verbindung zwischen eurem Ziel und der gerade beobachteten Ausführung. Ein Hinweis zur Armgestaltung beantwortet nicht automatisch die vereinbarte Frage nach dem Richtungswechsel. Auch ein zutreffender Hinweis kann gerade am Thema vorbeigehen. Ihr könnt ihn für später aufheben.

Welche Sichtweise gebraucht wird, hängt auch vom Material ab. In einer qualitativen Studie mit 15 Tanzstudierenden wurden Komposition und Ballett untersucht. Die Kompositionsgruppe schätzte an Rückmeldungen anderer besonders zusätzliche Sichtweisen. Die Ballettgruppe erlebte diese Rückmeldungen vergleichsweise weniger als neue Perspektive; einzelne konkrete Hinweise waren dennoch nützlich.

Die Untersuchung erfasste Erfahrungen mit videobasierter Reflexion, keinen allgemeinen Leistungsvergleich. Für euer Üben legt sie eine Unterscheidung nahe: Bei einer gestalterischen Idee können mehrere Eindrücke erwünscht sein. Bei einer bestimmten technischen Aufgabe braucht ihr Klarheit über das Kriterium, auf das ihr euch bezieht.

Beschreiben, was bei dir ankommt

Führen und Folgen eröffnen unterschiedliche Wahrnehmungen. Du kannst beim Führen einen Richtungswechsel beabsichtigt haben, während die folgende Person den Moment anders erlebt. Beschreibt beide euren Anteil: „Ich wollte hier die Richtung wechseln.“ – „Für mich war die neue Richtung erst danach erkennbar.“ Diese Sätze benennen Absicht und Erfahrung, ohne die Ursache schon festzulegen.

Wörter wie „zu spät“ brauchen einen Bezugspunkt. Benenne die Stelle in der Kombination und was du dort wahrgenommen hast. Ein persönlicher Eindruck ist damit besprechbar; aus ihm folgt noch keine technische Anweisung für den anderen Körper.

Auch eine gelungene Veränderung verdient Genauigkeit. „Das war besser“ sagt wenig darüber, was du meinst. „Bei dieser Wiederholung konnte ich den Richtungswechsel früher erkennen“ benennt einen konkreten Unterschied. Solche Rückmeldungen helfen euch, bei der untersuchten Stelle zu bleiben, statt ein allgemeines Urteil über das Können des Gegenübers abzugeben.

Dazu gehört die Bereitschaft, den eigenen Beitrag mitzudenken. Vielleicht hast du bei der Wiederholung ebenfalls etwas verändert. Sag das dazu. Sonst könnte ein gemeinsam entstandener Unterschied vorschnell als Erfolg oder Fehler einer einzigen Person erscheinen. Ihr untersucht einen Ablauf, an dem beide beteiligt sind.

Manchmal übernimmt eine Person vorübergehend die Außenbeobachtung einer bekannten Bewegung. Dafür beschreibt Tanzpädagogin Shannon Dooling-Cain eine mögliche Reihenfolge: Zuerst erzählt die tanzende Person, wie sie die Bewegung erlebt hat. Die beobachtende Person hört zu und ergänzt danach ihre Sicht. Anschließend wird wieder getanzt und die Veränderung besprochen.

So bekommt der eigene Eindruck Platz, bevor die Außenansicht das Gespräch bestimmt. Beim Rollenwechsel geht es hier um Beobachten und Tanzen, unabhängig davon, wer sonst führt oder folgt. Eine solche Abfolge ist eine Arbeitsmöglichkeit; persönliche Gefühle müsst ihr dafür nicht ausführlich offenlegen.

Eine Frage lässt die Antwort offen

„Warum machst du das immer so steif?“ enthält eine Bewertung. Eine offene Frage könnte lauten: „Was hast du an dieser Stelle wahrgenommen?“ Die Antwort kann anders ausfallen, als du erwartest. In Liz Lermans künstlerischem Critical Response Process werden Fragen ohne versteckte Meinung von angebotenen Einschätzungen getrennt.

Hast du einen Vorschlag, benenne ihn als solchen. Die andere Person darf entscheiden, ob sie ihn hören und untersuchen möchte. Ihr könnt neugierig auf eine Erklärung sein, ohne euch vorab auf sie festzulegen. Ein fragender Ton macht eine fertige Diagnose noch nicht zu einer offenen Frage.

Mit dem Aussprechen eines Hinweises ist die Lernarbeit noch nicht erledigt. Wer ihn empfängt, muss verstehen können, worauf er sich bezieht, ihn beurteilen und eine Möglichkeit für die weitere Arbeit darin erkennen. Dazu braucht es Gelegenheit, etwas mit der Rückmeldung anzufangen. Ihr könnt diesen Teil des Übens gemeinsam vorbereiten.

Im gemeinsamen Üben kann das heißen, einen Hinweis auszuwählen und in eigenen Worten festzuhalten, was du damit versuchen möchtest. Bleibt die Bedeutung unklar, lohnt sich zuerst eine Präzisierung. Danach könnt ihr wieder tanzen. Ein längeres Gespräch ist für sich genommen noch keine erprobte Veränderung.

Mit unterschiedlichen Eindrücken weiterarbeiten

Ihr müsst nach der Wiederholung nicht dasselbe empfinden. Im zeitgenössischen Tanzunterricht hielten Jamieson Dryburgh und Louise Jackson auch widersprüchliche Erfahrungen der Studierenden auf einem Flipchart fest und verbanden Gespräche mit weiterer Bewegung. Die qualitative Unterrichtsstudie beschreibt eine Arbeitsweise, deren Wirkung auf freiwillige Übepaare damit noch nicht untersucht ist.

Für ein Übepaar reicht eine kurze gemeinsame Notiz: Was haben wir verändert, was hat jede Person bemerkt, was bleibt offen? Ihr könnt damit an einer präzisen Stelle weiterarbeiten oder fachliche Unterstützung suchen. Auch eine sauber beschriebene offene Frage ist ein brauchbares Ergebnis gemeinsamer Übezeit.