Lindy Hop entwickelte sich in der Schwarzen Tanzkultur von Harlem in New York. Der 1926 eröffnete Savoy Ballroom war einer seiner prägenden Orte: Swingbands spielten für Tänzerinnen und Tänzer, die die Form gemeinsam weiterentwickelten. Frankie Manning kam dort als Jugendlicher hinzu und arbeitete später als Tänzer und Choreograf bei Whitey’s Lindy Hoppers. Seine Biografie verbindet das Tanzen im Ballsaal mit Bühnen- und Filmarbeit.
Für Norma Miller war Swing die Musik ihrer Jugend. Im Interview von 1999 erzählte die Tänzerin, wie die Musik aus den geöffneten Fenstern der Säle und Clubs auf Harlems Straßen drang. Sie tanzte zu Ella Fitzgeralds Gesang; später traten Lindy Hoppers mit Fitzgerald und Chick Webbs Band gemeinsam auf. Diese Nähe im Arbeitsalltag bedeutete keine gesellschaftliche Gleichberechtigung. Miller berichtete zugleich von Reisen, auf denen Schwarzen Künstlerinnen und Künstlern Restaurantbesuche und Hotelzimmer verweigert wurden. Die Erinnerung an den Swing umfasst auch die Bedingungen, unter denen diese Musik und dieser Tanz aufgeführt wurden.
Wer die Geschichte weitergab
Miller gehörte selbst zu den Mitgestalterinnen des Lindy Hop. 1934 wurde sie in Whitey’s Lindy Hoppers aufgenommen und reiste mit der Truppe nach Europa. Es folgten Filmauftritte und eine Laufbahn, die Tanz, Choreografie und Comedy verband. Später hielt sie ihre Erinnerungen schriftlich fest und gab ihr Wissen im Unterricht weiter. Das National Endowment for the Arts würdigte 2003 ausdrücklich auch ihre Arbeit als Historikerin des Swingtanzes. Mit ihren Erzählungen und ihrem Unterricht prägte sie, wie spätere Generationen diese Tanzwelt kennenlernen.
Wie persönlich solche Weitergabe sein kann, erzählte LaTasha Barnes 2021 im Gespräch mit Melanie George bei Jacob’s Pillow. Ihre Urgroßmutter brachte ihr den ersten Swing Out zu Musik von Louis Armstrong bei, ohne ihn so zu benennen. Es war die Art, wie sie gemeinsam tanzten. Barnes erkannte später Verbindungen zwischen Lindy Hop und anderen Schwarzen sozialen Tanzformen, mit denen sie aufgewachsen war. Für sie gehört zur Weitergabe deshalb auch, die Menschen und kulturellen Zusammenhänge im Tanz sichtbar zu halten. Eine Variation trägt manchmal mehr Familiengeschichte in sich, als ihr Name verrät.
