Beim Abdrücken soll der Fuß am Boden Halt finden; beim Gleiten bewegt sich die Sohle über die Oberfläche. Dahinter stehen Haft- und Gleitreibung. Haftreibung wirkt einer drohenden Verschiebung entgegen, bis ihre Grenze erreicht ist. Gleitreibung bremst bereits gegeneinander bewegte Flächen. Im einfachen physikalischen Modell hängen beide von der Materialpaarung und der Anpresskraft ab. Griffigkeit ist deshalb keine Eigenschaft eines Schuhs allein: Dieselbe Sohle trifft auf unterschiedlichen Böden auf unterschiedliche Bedingungen.
Wie genau lässt sich dieser Widerstand spüren? Kei Shibata und Akihiro Ohnishi untersuchten das mit 15 Erwachsenen an benetzten Prüfflächen und Schuhen mit einer einheitlichen glatten Gummisohle. Je nach Versuchsbedingung erfüllten die Urteile von sieben bis neun Personen das festgelegte Kriterium für einen Zusammenhang mit den gemessenen Reibungskräften. Im gesicherten Laboraufbau rieben sie einen Fuß über die Fläche. Getanzt wurde dabei nicht. Ein subjektiv vertrautes Gleitgefühl ist daher kein genaues Messinstrument; aus diesem Versuch lässt sich auch keine Freigabe einer Tanzfläche ableiten.
Halt im Schuh
Auch im Schuh braucht der Fuß Platz und Halt. Die Fußgesundheitsberatung von Oxford Health nennt ausreichende Länge und Breite, einen guten Sitz an der Ferse sowie einen verstellbaren Verschluss über dem Fuß. Die Zehen sollen weder zusammengedrückt werden noch den Schuh durch Krümmen festhalten müssen. Für die Passform beim Tanzen ist diese Unterscheidung hilfreich: Ein Schuh kann eng sein und trotzdem schlecht sitzen. Beim Blick auf den Verschluss geht es darum, wie er den Schuh am Fuß hält, während die Zehen ihren Platz behalten.
Unter der Oberfläche
Beim Boden kommt der Aufbau unter der sichtbaren Fläche hinzu. Bei den von Ausdance beschriebenen flächenelastischen Tanzböden verteilt eine tragende Decklage die Belastung auf eine nachgiebige Unterkonstruktion. Die Oberfläche bestimmt dagegen mit, wie der Fuß Halt findet und gleitet. Ihre Anforderungen unterscheiden sich zwischen Tanzformen. Ein griffiger Belag sagt deshalb noch wenig darüber aus, wie der gesamte Boden unter Belastung nachgibt. Wer einen Tanzraum beurteilt, braucht Informationen zum Belag und zum Unterbau; der bloße Hinweis „Holzboden“ beantwortet diese beiden Fragen noch nicht.
